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ISO 14001:2026: Was ändert sich für Organisationen?

Die neue ISO 14001 ist da. Die Norm für Umweltmanagementsysteme wurde aktualisiert, wobei der Schwerpunkt verstärkt auf Klimawandel, Biodiversität und die Lebenszyklusperspektive gelegt wird. Was bedeutet das für bereits zertifizierte Organisationen, und handelt es sich um eine vollständige Überarbeitung oder in erster Linie um eine Verfeinerung? Normec NCK fasst die wichtigsten Änderungen zusammen.

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Was bedeutet die Veröffentlichung für zertifizierte Organisationen?

Die neue Norm wurde veröffentlicht, aber Zertifizierungsstellen können Organisationen im Rahmen ihrer Akkreditierung noch nicht auf deren Grundlage auditieren. Zunächst muss das entsprechende Zertifizierungsschema vom SCCM und dem Niederländischen Akkreditierungsrat festgelegt werden. Die ersten Zertifikate nach ISO 14001:2026 werden voraussichtlich bis Ende 2026 ausgestellt. Organisationen haben bis zum 15. April 2029 Zeit, die Umstellung vorzunehmen.

Sobald die neue Norm verfügbar ist, werden Rezertifizierungsaudits grundsätzlich bereits gemäß ISO 14001:2026 durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt können auch Zwischenaudits auf der Grundlage der neuen Norm durchgeführt werden. Der Zeitpunkt der Umstellung wird in Absprache mit dem Kunden festgelegt, wobei der 15. April 2029 als Stichtag gilt, bis zu dem alle Zertifikate umgestellt sein müssen.

Aktualisierung statt vollständiger Überarbeitung

Eine häufig gestellte Frage ist, ob es sich bei ISO 14001:2026 um eine völlig neue Norm oder in erster Linie um eine Aktualisierung handelt. Die Antwort: in erster Linie Letzteres. Die Norm bleibt weitgehend unverändert, wurde jedoch in mehreren Bereichen präzisiert, erweitert und vertieft, wobei hier und da einige Schwerpunktverschiebungen zu verzeichnen sind.

So wurde beispielsweise die bisherige Änderung zu Klimaanpassung und -schutz nun in die Norm selbst integriert. Im Rahmen der Kontext- und Stakeholder-Analyse wird von Organisationen erwartet, dass sie wichtige Umweltfragen wie die Erschöpfung natürlicher Ressourcen und die biologische Vielfalt bewusst berücksichtigen. Auch der Rahmen für die Identifizierung von Risiken und Chancen wurde präzisiert.

Zudem wird der Lebenszyklusansatz stärker betont. Organisationen betrachten nicht mehr nur ihre eigenen Betriebsabläufe, sondern auch ihre Auswirkungen auf die Lieferkette und das Ausmaß, in dem sie diese beeinflussen können. So würde beispielsweise ein Bauunternehmen nicht nur den Bauprozess selbst bewerten, sondern auch die Nachhaltigkeit der eingekauften Baumaterialien und der fertiggestellten Häuser.

Klimawandel, Biodiversität und natürliche Ressourcen

Für die meisten Organisationen stehen CO₂-Emissionen bereits als wichtiger Umweltaspekt auf der Tagesordnung. Neu ist, dass die Norm nun auch ausdrücklich verlangt, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen. Man denke beispielsweise an das Risiko, dass der Geschäftsbetrieb durch extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Überschwemmungen oder Dürren gestört werden könnte. Gleichzeitig ergeben sich Chancen: Organisationen können von der Nachfrage nach Klimaanpassungsmaßnahmen profitieren, beispielsweise durch Wasserspeicherung, nachhaltige Infrastruktur oder biobasierte Materialien.

Neben dem Klimawandel werden auch Biodiversität und natürliche Ressourcen ausdrücklich erwähnt. Genau wie beim Klimawandel müssen Organisationen sowohl ihre eigenen Auswirkungen auf diese Themen als auch die Folgen für die Organisation selbst berücksichtigen.

Ein genauerer Blick auf Kontext und Interessengruppen

Die Norm legt größeren Wert auf die Untersuchung des Kontexts der Organisation und orientiert sich damit an der umgekehrten Wesentlichkeitsanalyse, einem aus der CSRD bekannten Konzept. Dies bedeutet einerseits, die Rolle zu identifizieren, die die Organisation bei der Nutzung knapper Rohstoffe wie Holz spielt, und andererseits die Folgen dieser zunehmenden Knappheit für die Organisation zu ermitteln.

Auch die Stakeholder-Analyse verändert sich. Organisationen müssen wissen, wer ihre Stakeholder sind und was diese von ihnen erwarten, wobei der Schwerpunkt stärker als bisher auf Klima, Kreislaufwirtschaft und Biodiversität sowie auf dem Einfluss liegt, den die Organisation auf ihre Stakeholder ausüben kann.

Neuer Abschnitt: Management von Veränderungen

Eine bemerkenswerte Ergänzung der ISO 14001:2026 ist der Abschnitt „Management von Änderungen“. Dieser Abschnitt soll sicherstellen, dass Organisationen Änderungen, die das Umweltmanagementsystem betreffen, in kontrollierter Weise umsetzen. Dazu gehören Änderungen von Normen, Rechtsvorschriften oder Kundenanforderungen sowie Störungen in der Lieferkette oder innerhalb der Organisation selbst. Das zentrale Prinzip bleibt bestehen: Die Folgen einer Änderung für das Managementsystem sind im Voraus zu bewerten, damit diese kontrolliert umgesetzt werden kann.

Eine klarere Struktur für Risiken und Chancen

Auch die Art und Weise, wie Organisationen Risiken und Chancen bewerten, wurde präzisiert. Die Struktur ist nun schlüssiger. Während in früheren Fassungen nicht immer klar war, dass das Verzeichnis der Umweltaspekte und -auswirkungen (MAER, §6.1.2) als eigentlicher Ausgangspunkt für die Identifizierung von Themen, Risiken und Chancen in Bezug auf den Kontext und die interessierten Parteien dient, wird dieser Zusammenhang in der ISO 14001:2026 nun expliziter hergestellt.

Macht die neue Norm ein papierbasiertes System unmöglich?

Während eines Beratertages kam die Frage auf, ob die neue Norm ein papierbasiertes Umweltmanagementsystem tatsächlich unmöglich macht. Tatsache ist, dass die Norm noch größeren Wert auf eine klare Kohärenz zwischen den Komponenten des Systems legt. Für die meisten Organisationen sind Umweltfragen mittlerweile zu einem festen Bestandteil des täglichen Betriebs geworden: Praktisch jeder muss sich mit Anforderungen von Gesetzgebern, Aufsichtsbehörden und anderen Interessengruppen sowie mit Themen wie hohen Kraftstoff- und Materialpreisen, Netzengpässen und Umweltzonen auseinandersetzen.

Bauunternehmen wissen beispielsweise, dass ein unzureichendes Management von Umweltaspekten erhebliche Folgen für ihre Projekte haben kann. Gleichzeitig sehen viele Organisationen Chancen, sich in Ausschreibungsverfahren von der Konkurrenz abzuheben, indem sie einen Mehrwert im Umweltbereich nachweisen.

“Für viele Unternehmen ist dies eher eine Weiterentwicklung als eine radikale Veränderung”

Das größte Missverständnis

Das häufigste Missverständnis bezüglich der ISO 14001:2026 ist, dass die Änderungen drastischer sind, als sie tatsächlich sind. Die wesentlichsten Änderungen betreffen in erster Linie die Klarstellung bestehender Elemente und ihrer Zusammenhänge, wie beispielsweise die Beziehung zwischen Umweltaspekten, -themen, -risiken und -chancen.

Die Auditoren von Normec NCK nutzen das Register für Umweltaspekte und -auswirkungen (MAER) bereits seit Jahren als Ausgangspunkt und bewerten das Umweltmanagementsystem als zusammenhängendes, zyklisches Ganzes und nicht als eine Ansammlung einzelner Normvorgaben. Für viele Organisationen werden sich die Änderungen daher eher wie eine Verfeinerung und Klarstellung anfühlen als wie eine radikale Veränderung.

Was können Organisationen erwarten, die bereits zertifiziert sind?

Für Organisationen, die bereits nach ISO 14001 zertifiziert sind, stellen die meisten Änderungen eine Ergänzung zu den bestehenden Anforderungen dar. Das bedeutet, dass sie die Auswirkungen auf ihr Managementsystem bereits vor der Durchführung eines Audits nach der neuen Norm einschätzen können. Die Bewertung der Umweltaspekte, der daraus resultierenden Risiken und Chancen sowie der Kohärenz innerhalb des Systems spielt dabei eine zentrale Rolle.

Eine Chance, keine Belastung

Insgesamt bietet die neue Norm Organisationen in erster Linie Chancen. Die Änderungen sorgen für eine größere Kohärenz zwischen den Komponenten des Umweltmanagementsystems und schaffen einen klareren und logischeren Rahmen für dessen Gestaltung und Steuerung. Für viele Organisationen passt dies gut zu aktuellen Entwicklungen, wie beispielsweise der Erreichung der Klimaziele für 2030 und darüber hinaus. Die überarbeitete Norm hilft Unternehmen dabei, diese Ambitionen auf praktische und strukturierte Weise in ihr Umweltmanagementsystem zu integrieren.

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